OpenAI hat ChatGPT Work vorgestellt, einen Agenten mit integriertem Codex, der mehrstufige Aufgaben über Apps wie Slack, Google Drive und Salesforce hinweg selbstständig ausführt. Angetrieben wird das Produkt vom nun öffentlich verfügbaren Modell GPT-5.6.

OpenAI hat mit ChatGPT Work einen Agenten vorgestellt, der nicht mehr nur Fragen beantwortet, sondern Aufgaben abarbeitet. Das Produkt zieht Daten aus Slack, Microsoft Teams, Google Drive, SharePoint, Kalendern und CRM-Diensten zusammen, startet daraus mehrstufige Workflows und führt sie per Scheduling auch selbstständig aus. Angetrieben wird es von der Codex-Technologie und dem nun öffentlich verfügbaren Modell GPT-5.6.

Der praktische Kern für Betriebe: Aufgaben, bei denen heute Menschen Daten zwischen Systemen hin- und herkopieren, soll der Agent eigenständig durchziehen. Ein neues „Unified Plugins Directory” bündelt die Drittanbieter-Integrationen an einem Ort. Technisch verschmilzt OpenAI auf dem Desktop Codex mit der ChatGPT-App: Codex ist nun Teil der ChatGPT-Desktop-App für macOS und Windows, bestehende Codex-Nutzer behalten beim Update ihre Projekte und Einstellungen, die bisherige Desktop-App heißt künftig ChatGPT Classic.

Verfügbarkeit und Preise von ChatGPT Work

Der Zugang ist gestaffelt. Auf Web und Mobile erhalten zuerst Pro-, Enterprise- und Edu-Nutzer Zugriff, Plus- und Business-Kunden folgen laut OpenAI in den kommenden Tagen. Über die Desktop-App für Mac und Windows ist das Produkt sofort für alle Tarife verfügbar, auch in der kostenlosen Stufe.

Für die Kostenkalkulation sind zwei Punkte relevant. GPT-5.6 wird pro einer Million Token in drei Modellgrößen abgerechnet: Sol kostet 5 US-Dollar Input und 30 US-Dollar Output, Terra 2,50 respektive 15 US-Dollar, Luna 1 respektive 6 US-Dollar. Wer über die API baut, zahlt je nach gewähltem Modell also das bis zu Fünffache.

Zweiter Punkt: ChatGPT Work teilt sich denselben agentenbasierten Verbrauchspool mit Codex, ChatGPT für Excel und den Workspace Agents. Wie stark eine Aufgabe diesen Pool belastet, hängt von Größe, Komplexität und Modellwahl ab. Für die Praxis heißt das, dass sich Nutzung nicht pro Produkt sauber budgetieren lässt, sondern über mehrere Werkzeuge hinweg auf ein gemeinsames Kontingent läuft.

Als Beleg für den Nutzen führt OpenAI eine Fallstudie des Automatisierungsanbieters Zapier an. Zapier gibt an, aus der Integration von ChatGPT Work monatlich einen siebenstelligen Pipeline-Wert generiert zu haben. Die Zahl stammt vom Kunden selbst und wurde von OpenAI im Rahmen des Launches kommuniziert; eine unabhängige Prüfung liegt nicht vor.

Aus für den Atlas-Browser

Parallel stellt OpenAI seinen ChatGPT-Atlas-Browser ein. Der agentenbasierte Browser war im vergangenen Oktober um die Frage „What if you could chat with your web browser?” gebaut worden. „These capabilities build on what we learned from Atlas”, teilt das Unternehmen nun mit und kündigt an, den eigenständigen Browser sukzessive einzustellen und Nutzern beim Umstieg auf ChatGPT zu helfen. Wer Atlas im Betrieb bereits eingebunden hat, muss den Wechsel einplanen.

Die öffentliche Freigabe von GPT-5.6 hat einen politischen Hintergrund. Rund zwei Wochen zuvor hatte die Trump-Administration den Zugang zunächst auf etwa 20 ausgewählte Organisationen beschränkt, nachdem OpenAI Modelle und Veröffentlichungspläne mit der US-Regierung geteilt hatte. Erst danach kam die Freigabe für den breiten Rollout, der global gestaffelt anläuft.

Konkurrenz von Anthropic

ChatGPT Work erscheint zwei Tage nach einem vergleichbaren Schritt von Anthropic. Der Wettbewerber weitete sein Produkt Cowork am 7. Juli 2026 auf Web und Mobile aus. Anthropic beschreibt Cowork mit den Worten: „Cowork is where you hand Claude a task, and it works across your files, calendar, email, messaging app, the web, and the other tools you connect until the job is done.” Zur Markierung des Rollouts verdoppelte Anthropic die Cowork-Nutzungslimits bis zum 5. August.

Beide Produkte folgen demselben Muster: Ein Coding-Agent wird für allgemeine Wissensarbeit umgewidmet und erhält lokalen Dateizugriff im Desktop-Client. OpenAI merkt selbst an, dass viele Codex-Nutzer das Werkzeug bereits für nicht-programmierbezogene Aufgaben eingesetzt hätten. Anthropic hat bei Unternehmenskunden in den vergangenen zwei Jahren einen Vorsprung aufgebaut.

Unsere Einschätzung

Für Betriebe mit code- und dokumentenlastigen Abläufen ist ChatGPT Work praktisch interessant. Ein Agent, der Slack, Drive und ein CRM zusammenzieht und wiederkehrende mehrstufige Aufgaben abarbeitet, spart reale Zeit. Die Zapier-Zahl ist Marketing des Anbieters, das Grundmuster aber plausibel. Der Nutzen entsteht dort, wo heute Menschen Daten zwischen Systemen hin- und herkopieren.

Der Preis dafür ist Bindung. Wer Codex-Projekte, das Plugin-Verzeichnis und den gemeinsamen Verbrauchspool tief in seine Prozesse einbaut, macht sich von einem einzelnen US-Anbieter abhängig, dessen Zugang zuletzt von der US-Regierung reguliert wurde — die vorübergehende Beschränkung auf 20 Organisationen zeigt, wie schnell Verfügbarkeit zur politischen Frage wird. Dass OpenAI Atlas nach nicht einmal einem Jahr einstellt, ist ein weiterer Hinweis: Produktentscheidungen fallen dort schnell und ohne Rücksicht auf bereits integrierte Kunden. Vor der Einführung sollte deshalb eine nüchterne ROI-Rechnung stehen, die den intransparenten, produktübergreifenden Verbrauchspool und die Ausstiegskosten einpreist. Wo möglich, empfiehlt sich, kritische Workflows über offene Schnittstellen abzubilden statt über proprietäre Plugins — das hält die Tür für europäische oder wechselbare Alternativen offen.